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  • Autorenbilddjjolly

Konzertbericht: "She past away" (17.11.23 Berlin, Astra Kulturhaus)


Ein typischer, nass-kalter November Abend in Berlin an diesem 17.11., der unter dem Titel "Drei Türken sind einer zu viel" hätte stehen können. Hubschrauber mit Suchscheinwerfern kreisten über das RAW-Gelände und als zwei in Berlin uneingeschränkt erwünschte und beliebte Türken namens Volkan Caner und Doruk Öztürkcan die Bühne des Astra Kulturhaus betraten, war ein eingeschränkt unerwünschter und unbeliebte Türke namens Recep Tayyip Erdoğan bereits über den Dächern des RAW und Berlin.

"Kühl und frostig" sei der Empfang für den türkischen Präsidenten in Deutschland laut Berliner Presse gewesen - hingegen kann bei seinen zwei Landsleuten beileibe nicht davon die Rede sein. "She past away" genossen schon zu Beginn tosenden Applaus. Leider fielen aufgrund des Staatsbesuches sämtliche Bahnen in Berlin aus, zudem gab es Straßensperrungen, so dass viele nur mit erheblicher Verspätung und unter widrigen Umständen den Weg ins Astra fanden - zum Leidwesen der beiden Support Acts "Ductape" und "Alice Gift".

Doch schon um 21:15 Uhr präsentierte sich das 1500 Besucher fassende Kulturhaus als bis zum Bersten gefüllt, als nach und nach noch immer mehr Fans und Besucher in den Vorraum strömten, die kaum noch eine Möglichkeit fanden, die überfüllte Konzerthalle zu betreten.

Wer "She past away" schon live erlebt hatte, erwartete an und für sich ein ziemlich typisches Postpunk-Konzert: unspektakulär und statisch werden die Songs der bisherigen drei Alben selektiv pflichtbewusst eben mal runtergespielt, wie in der setlist vorgegeben.


Doch verglichen mit früheren Konzerten wirkte das Duo erstaunlich kommunikativer und agiler, was vor allem an der spürbaren Leidenschaft von Özürkcan lag, der sichtlich Freude hinter den Synthesizern hatte - und einige Überraschungen auf Lager. So übernahm er beim Clubklassiker "Rituel" den Gesang von Caner, wodurch der Song eine neue - aber keinesfalls schlechtere - Stimmung und Perspektive bekam. Begeistert animierte er dabei die Berliner zum Mitklatschen und diese ließen sich nicht mehrmals bitten.

Hoffnungen auf einen Nachfolger des 2019 erschienenen letzten Albums "Disko Anksiyete" weckte Caner, als er einen neuen Song ankündigte und das Duo diesen dann postwenden aus dem Ärmel zauberte. Ansonsten geizten die Coldwaver mit Songs ihres noch immer aktuellen Albums und lieferten stattdessen einen Clubklassiker nach dem anderen ab :


Ruh, Kasvetli Kutlama, Sanri u.s.w. - und das war gut so, hielt die Stimmung auf extrem hohem Niveau und die beiden Protagonisten dankten den Gästen teils auf deutsch, teils auf Englisch. Bei "Insalar" schwang Öztürcan die Trommelstöcke und bediente die Synth-Toms um sich leider danach auch schon nach 60 Minuten zu verabschieden. Es folgten drei Zugaben mit dem krönenden Abschluss "Hayaller" . Mit einem ""See you next time" und einem "We love you !" verabschiedeten dann die zwei Männer aus Bursa die ebenso restlos begeisterten wie schweißgebadeten Berlinerinnen und Berliner in die Nacht.

Es gibt durchaus Türken, die in Berlin jederzeit Willkommen sind, begeistert gefeiert werden und über die man traurig ist, wenn sie gehen - Herr Präsident...


Bericht : Jolly von Hayde

Fotos : Axel K.


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