• DJ Dave

Covenant am 16.02.2019 im ClubCann Stuttgart

Vom Dancefloor zur Klangkunst- Covenant im ClubCann in Stuttgart

Seit September lagen sie in der Schublade, die Karten für das Covenant-Konzert. Gut so, denn das Konzert war schnell ausverkauft. Also alles richtig gemacht. Vor Ort war es dann klar, warum so schnell ausverkauft, denn die Location –super verkehrsgünstig direkt am Cannstatter Bahnhof gelegen, alles neu und schnieke-ist erstaunlich klein, fasst nur etwa bis 380 Stehplätze.


Gut für uns, schade für einige andere. Der Dresscode ist vertraut schwarz in mittlerem Alter, es gibt günstige Getränke, viel Technik auf der Bühne und am Mischpult und einen gut sortierten Merch-Stand im Vorraum.



Gegen 20 Uhr dann Start mit der dreiköpfigen britischen Band Empathy Test. Mit Schlagzeugerin, Keyboard und dem Sänger Isaac Howlett macht das junge Trio aus London unkomplizierten Elektropop. Vor allem bleibt die charmante Moderation vom Sänger als sehr sympathisch in Erinnerung. Howlett spricht unter anderem von seinem letzten Auftritt in Stuttgart, als ihm eine Lampe auf den Kopf fiel und leitet schließlich den „Stuttgart Fluch“ davon ab. Und es gibt sogar ein paar Fans im Publikum, die die poppig gefälligen Songs, wie z.B. ‚Losing Touch‘ streckenweise mitsingen können. Schon jetzt beginnt man die gute Qualität und mögliche Lautstärke der Anlage zu erahnen, Gehörschutz ist da keine schlechte

Idee.


Nach kurzer Umbauphase beginnt mit etwas Nebel und dezenter Lichtstimmung das Fieldrecording des Abends. Covenant hat angekündigt auf der aktuellen Tour in jeder Stadt das Konzert mit einem anderen Fieldrecording zu eröffnen, in Stuttgart ist es die akustische Stimmung eines Nordseehafens inklusiv Möwengeschrei. Nach dem darauf folgenden Intro steigen die drei Herren von Covenant mit ‚Like tears in rain‘ gleich voll ein.


Die sauber klingende Soundanlage gibt alles und die Bässe vibrieren tief im Bauchraum. Bemerkenswert auch die Lightshow, mit faszinierend schönen Mustern und Farben. Auch das Raumklima stimmt, dank der offenen Lüftungsklappen bleibt die Temperatur sehr angenehm. Was im Laufe des Konzerts etwas störend ist, ist der Drang der Leute sich –wohl aufgrund der günstigen (Jugendhaus-) Bierpreise- fortlaufend mit Bier einzudecken, und dann in zwanghafter Folge auch noch dauernd auf Klo zu rennen. Schade, denn damit verpasst so mancher die Hälfte des Konzerts und stört andere, über deren Füße mehrfach gestolpert wird. Von den Bierpfützen am Boden mal abgesehen, die sich beim Tanzen mit vollem Becher wohl nicht vermeiden lassen. Und so ganz ohne Tanzen ging es bei den packenden Beats der schwedisch-deutschen Formation Covenant einfach nicht.


Sänger Eskil Simonsson, markant und dominant in seiner Präsenz und mit seidiger sonorer Stimme, führt durchs Konzert und leitet stimmungsvoll von einem Song zum nächsten über.

Und selbst die Ansagen werden mit dieser Stimme zu kleinen Klangkunstwerken. An den Keyboards flankieren ihn Daniel Myer und Andreas Catjar. So lassen die drei Musiker neben den altbekannten Dancefloor-Hits, wie ‚Bullet‘, ‚Dead Stars‘, ‚We stand alone‘ und ‚The men‘ auch weniger bekannte Stücke sowie brandneues von der aktuellen Fieldworks EP erklingen, wie das fieberhafte ‚All that is solid melts into air‘ und das außerordentlich hypnotische Rezitationsstück ‚ ‚Das Nibelungenlied‘, das mit Eskils Erzähler-Stimme vor einem sich stetig verdichtendem Klangteppich fesselt. Und ‚False gods‘ ist gar einer der Konzerthöhepunkte (Ja, es geht auch mal ohne Eskil!), denn die rauhe Dynamik von Daniel Myers Sprechgesang und die hämmernden Beats erschüttern bis ins Innerste.


Myer und Catjar legen mit zwei großen Live-Drums noch einen durchdringenden Extra-Beat drauf, der einem fast das Gefühl gibt, in Maschinengewehrsalven zu stehen. Ein sehr beeindruckender Auftritt der beiden in einem Werk, das sich (Zusammenarbeit mit Grabyourface) zwar stark vom gewohnten Covenant Sound abhebt, aber tief beeindruckt. Mit einem sehr rhythmischen ‚Ritual Noise‘ verabschieden sich Covenant vom begeisterten Publikum, nur um danach die erste dreiteilige Zugabe zu geben, die mit ‚Call the ships to port‘ gipfelt. Hieran hat nicht nur das Publikum seinen Spaß, sondern sichtlich auch Eskil. Doch das aufgeheizte Volk hat noch nicht genug. Mit den Worten „Jürgen, wir dürfen nochmal spielen“ gibt Daniel Myer der Technik das Zeichen für die zweite und letzte Zugabe und performt ein beschwingtes ‚Lightbringer‘ als Abschluß eines großartigen Konzertabends.


Nach 30 Jahren im Geschäft haben die experimentierfreudigen Herren von Covenant es wieder geschafft einen begeisternden Konzertabend zu schaffen, der von Dancefloor Hits bis

zu harten Industrial- und Ambientstücken sowie auch sperrigen akustischen Soundbasteleien alles in einem Guß bringt, als Gesamtkunstwerk Covenant. Anspruchsvoll, sehr gelungen und trotzdem tanzbar! Zum Abschluß auch noch ein Kompliment an Jürgen und die Technik, es war sehr laut, aber schön.


Text: Susanne / Bilder: Andreas