Konzertbericht : Peter Heppner in Potsdam (11.04.19)


Vielleicht war es ja doch des Guten etwas zu viel, binnen 17 Monaten drei Konzerte in einer Region zu geben. Nach dem "30 Jahre Peter Heppner" Konzert im November 2017 im Waschhaus Potsdam und "Confessions & Doubts" 2018 in Berlin zog es den Hamburger Ausnahmekünstler nun am 11.04. erneut zurück ins Potsdamer Waschhaus, welches - ohnehin schon durch Vorhänge abgetrennt - noch genügend freie Plätze bot.

Vielleicht auch, weil den Zuschauer und Zuhörer bekanntermaßen ein viel zu statisches und unspektakuläres Konzert erwartete, bei welchem der Protagonist nahezu unbeweglich am Mikro seine songs zum Besten gibt und die Texte dabei aus seinem Songbuch auf dem Notenständer neben sich abliest. Heute nicht anders als zu Zeiten von "Wolfsheim".

Mit Sicherheit nicht lag es an Peter Heppners Stimme, schon gar nicht an seinem jüngsten Meisterwerk "Confessions & Doubts", dessen 2018er Tour an jenem kalten Aprilabend den Auftakt zur Fortsetzung gab.


Als denkwürdiger erwies sich der support act in der brandenburger Hauptstadt, welcher ebenso grotesk und verwirrend erscheint wie der Bandname "Leichtmatrose", die songs namens "Johnny fand bei den Sternen sein Glück" oder "Vom Esel im Galopp verloren" und Textzitate wie ""Ich sitz hier beim Vogel, der immer noch scheißt, was in seiner Sprache 'Ich liebe Dich' heißt."

Zweifellos : "Leichtmatrose" polarisieren und die zurückbleibende Verwirrung beim Zuschauer ist vielleicht ja auch so gewollt : Marius-Müller Westernhagen meets Helge Schneider meets Roger Cicero.

In der ersten Reihen wird die Band um Sänger Andreas Stitz von eingefleischten Fans gefeiert, bei den Zuschauern in den Reihen dahinter klafft über den Köpfen ein kollektives großes Fragezeichen.

Stimmig erscheinen "Leichtmatrose" allemal hinsichtlich der merkwürdigen songs und des merkwürdigen Auftritts. Sagen wir es so : Man muss sich darauf einlassen können. Oder auch nicht.

Ihr großes Plus : Man kann sie wirklich in keine Schublade stecken und alleine dadurch bleiben sie im Gespräch und im Gedächtnis.


Mit "Unloveable" startete dann Heppner gegen 21 Uhr 20 seinen knapp zweistündigen Auftritt, welcher gewohnt ohne große Höhepunkte und ausbleibender Bühnenshow jeden Konzertreporter zur Verzweiflung treibt.

Die Interaktionen mit dem Publikum hätten sich auf Heppners "Danke schön !" nach den songs beschränkt, wäre da nicht die drollige Panne bei "Fremd in diesem Land" passiert, bei welchem Heppner seinen Einsatz vermasselte und der song letztlich abgebrochen werden musste. Mit Blick auf Schlagzeuger Achim Färber meint Heppner verlegen : "Okay, da haben wir beide wohl gepennt" und legt nach kurzer Pause hinterher : "Ich gebe es zu, nur ich habe gepennt".

Keiner der großen Hits wurden vermisst : "Once in a Lifetime" (in leicht geänderter Version), "The Sparrows and the Nightingales", "Alleinesein", "Wir sind wir" usw.

Gut durchmischt mit den songs der aktuellen beiden Alben "Confessions & Doubts" und "TanzZwang", die setlist konnte sich sehen lassen !


Heppner blieb dabei ebenso statisch wie die Leinwände im Hintergrund mit seinem Konterfei und die Band. Kein Nebel, keine Pyro, kein showact. Heppner pur, als würde jegliches Drumherum den Genuss seiner Stimme stören und davon ungewollt ablenken. Auch die setlist wurde gegenüber den Konzerten von 2018 nicht verändert.

Dabei bewies Peter Heppner doch 17 Monate zuvor in selbiger location, dass es eigentlich auch besser sein könnte, als er z.B. für zwei songs überraschend Marcus Meyn (Camouflage) mit auf die Bühne holte oder sich auf manch witzigen Ansagen zu einzelnen songs einlassen konnte.


All dies wurde am 11.04. leider doch vermisst und es blieb auch die Erkenntnis das "Was bleibt und "Die Flut" eben vom Zusammenspiel und der Atmosphäre des Duos Witt / Heppner leben und ohne Joachim Witt eben nur halb zünden und funktionieren.

Freuen wir uns daher umso mehr auf den 02.08. wenn Witt und Heppner beim "Sommerwind Open Air" in Neuhagen gemeinsam auf der Bühne stehen werden.

Als Zugaben gab es noch mit "Kein zurück" und "Das geht vorbei" zwei großartige songs zum Abschluss.

Peter Heppner und Band sind am 26.04. im MS Connexion Mannheim zu sehen und zu hören.


Bericht : Jolly von Hayde

Fotos : Axel Kretschmann


Wir bedanken uns bei Kai Lotze von "Protain" für die Zusammenarbeit.