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Wayne Hussey am 11.09.19 in Berlin


Wayne Hussey (61) kann auf eine bewegte Karriere zurückblicken, dabei meinte es das Schicksal oft nicht gut mit dem Briten. Kurz nachdem er im Streit mit Frontmann Pete Burns „Dead or Alive“ im Jahre 1984 verließ, kam 1985 mit „You spin me round“ der ganz große Erfolg der Band. Und wieder grüßte ein Jahr später das Murmeltier, als er im Streit mit Andrew Eldritch „The Sisters of Mercy“ verließ, denen mit dem Album „Floodland“ danach ebenfalls ihr kommerzieller Durchbruch gelang.

Zu diesem Zeitpunkt gründete Hussey zusammen mit Craig Adams die Formation „The Mission“, welche nach unzähligen Auflösungen, Neugründungen, Reunions und Umbesetzungen bis heute nicht über den „Kultstatus“ in der Underground-Szene hinaus kam, jedoch mal mehr, mal weniger am Leben erhalten wird.


Charterfolge blieben in all den Jahren selten und spärlich, vielleicht auch deshalb, weil Husseys musikalischer Anspruch immer eine Messlatte höher lag als jene der Sisters oder „Dead or Alive“.

Auf seiner 2019er Solo-Tournee gastierte Wayne Hussey am 11.09.19 im Berliner Kultclub „Bi Nuu“ am Schlesischen Tor, jener Club, welcher sich nach dem dritten Album der Berliner Band „Ideal“ benannte.

Dabei stand jener 11. September im „Bi Nuu“ unter schlechten Vorzeichen : Eine Bombendrohung hätte den Abend beinahe platzen lassen. Mit 1 ½ Stunden Verspätung und Entwarnung gab es dann doch grünes Licht für den support act Ashton Nyte, Frontmann von „The Awekening“, den man sich durchaus ansehen und anhören kann, jedoch nicht muss.

Kurz vor 21 Uhr 30 dann betrat Wayne Hussey obligatorisch mit schwarzer Sonnenbrille und Hut die Bühne.


Die setlist wurde bei der bisherigen Tour bei jedem Konzert gründlich durcheinandergewürfelt. In Berlin sparte Wayne Hussey ganze 70 Minuten lang enorm mit bekannten songs und gab stattdessen eher unbekannteren Solo- und Missionsongs oder Coverversionen (z.B. „Heart“ von Nine Inch Nails) den Vorzug.

Zwei Highlights zauberte er dann aber doch noch aus dem Ärmel : Als dritten songs stimmte er an der Gitarre die Single „Like a Child again“ aus dem für die Fans ungeliebten und von Kritikern zerissenen „Masque“-Album von 1991 an – für viele der einzig gute song des Albums, welcher entsprechend umjubelt wurde.

„You remember the Sisters of Mercy ?“ fragte er nach einer Weile dann ironisch das Publikum und bemerkte, das seien noch Zeiten gewesen, in welchen er jung und schön war. Er habe damals noch nicht in den Spiegel schauen müssen und denken : „Oh Gott, was ist denn das nun wieder ?“


Dann gab er doch tatsächlich sensationell eine Akustik-Version des „Sisters“-Klassikers „Marian“ zum Besten.

Überhaupt war der düster wirkende „Gothfather of Goth“ zu allerlei Scherzen aufgelegt und äußerst kommunikativ, erzählte, dass er vegane vietnamnesiche Frühlingsrollen zum Mittagessen in Berlin hatte – laut Speisekarte mit „Moral“. Auf Nachfrage konnte ihm aber keiner im Restaurant sagen, was „Moral“ überhaupt sei. Auf jeden Falle aber fühle er sich nun „moralisch überlegen“.


Seine Vielseitigkeit unterstrich der 61-jährige durch den Wechsel zwischen Gitarren und Klavier und demonstrierte eindrücklich, dass er Saiten und Tasten gleichermaßen beherrscht. Bei „Mr. Pleasant“ wurde das Pianospiel jedoch jäh unterbrochen, als Wayne Hussey plötzlich den Text vergessen hatte. Sowohl Künstler als auch Fans nahmen dies jedoch mit großem Humor und Hussey setzte den Abend mit „Dragonfly“ fort.

Nach 70 Minuten gab es dann am Ende doch noch mit „Wasteland“ und „Like a Hurricane“ im Medley zwei Hits zu hören.

Leider zu wenig davon und zu spät, denn danach verabschiedete sich Hussey vom Publikum auch schon. Der eine oder andere Klassiker wie „Beyond the Pale“, „Amelia“, „Kingdome Come“ oder „Deliverance“ hätte zwischendurch dem Abend sicher gut getan.

Ein Zugabeblock mit zwei Songs, am Ende „Butterly on a Wheel“ am Piano, das war es dann. Nochmals ließ sich Hussey leider nicht mehr bitten.

Immerhin kommentierte er auf seiner Facebook – Seite zum Auftritt in Berlin : „Was für eine großartige Nacht in Berlin letzte Nacht! Wahrscheinlich die bisher beste Show trotz der Bombendrohung und des dadurch späten Starts. Ich war gut drauf und das Publikum war ganz bei mir. Vielen Dank.“


Bericht : Jolly von Hayde

Fotos : Axel Kretschmann